Die unendliche Langsamkeit des Kaffeebrauens: Cold Brew Coffee

Drip Coffee © VTT Studio – Fotolia.com
Drip Coffee © VTT Studio – Fotolia.com

Cold Brew – ein neuer Kaffeetrend? Fast. In den USA schon Kaffee von gestern, hat Cold Brew erst in diesem Frühsommer auch Deutschland flächendeckend erreicht. Zunächst noch ein kultiger Geheimtipp in Berliner und Hamburger Szene-Kaffeebars, breitete sich die kalte Kaffeewelle 2015 via Starbucks und Balzac Coffee über die gesamte deutsche Landkarte aus. Plötzlich war er überall da und hip, der kalt gebraute Kaffeetrunk – sogar als „Cold Brew to go“. Lohnt es sich tatsächlich, diese Welle zu reiten? Kaffeepedia erklärt, was es mit Slow Coffee, Cold Brew und Cold Drip auf sich hat.

Wer hat’s denn eigentlich erfunden?

Wurde Kaffee nicht schon immer ausschließlich mit heißem Wasser zubereitet? Methoden und Maschinen mögen noch so sehr variieren, nicht aber die Wassertemperatur, so denken wohl die meisten. Doch weit gefehlt – jedenfalls dann, wenn wir der Legende Glauben schenken. Die Tradition des kalt extrahierten Kaffees sollen holländische Seefahrer vor mehreren Hundert Jahren begründet haben, als sie erkannten, dass kalt zubereiteter Kaffee haltbar ist und auch nach 2 Wochen auf hoher See noch gut schmeckt. Laut einer anderen Überlieferung sollen die Niederländer die Cold-Brew-Methode auf Handelsreisen durch ihre asiatischen Kolonien kennengelernt haben. Letztere Version ist insofern plausibel, als die Methode in Korea und Japan seit Langem allgemein üblich ist. Dort hat man das Kaltbrühverfahren mit dem Cold Drip sogar noch weiter verfeinert.

Wie funktionieren die kalten Methoden?

Cold Brew und Cold Drip sind zwei unterschiedliche Verfahren, die beide mit kaltem Wasser und Kaffeepulver funktionieren.

  • Cold Brew
    Cold Brew ist im Prinzip einfach und funktioniert auch ohne Kalt-Extraktions-Maschine oder Kaffeebar-Schickimicki: Eine normale French Press (Kaffeepresse) tut es auch. Einfach gutes, möglichst frisch gemahlenes Kaffeepulver (ca 40 g) in die Kanne geben, 0,25 l kaltes Wasser (je nach Wasserqualität evtl. gefiltert) darüber gießen und das Ganze mindestens 12 Stunden ziehen lassen. Erst dann den Pressstempel nach unten drücken und den Kaffee sofort oder später genießen. Im Kühlschrank aufbewahrt, bleibt er 2 Wochen lang frisch. Wie komplex die Kaffeearomen sich ausprägen, richtet sich nach Bohnensorte(n), Röstung und Ziehdauer –bis zum perfekten Ergebnis muss also meist etwas experimentiert werden. Das haben die hippen Barista in den angesagten Kaffeebars bereits erledigt. Mal servieren sie ihr goldgelbes oder hellbraunes Gebräu im Whiskey-Glas mit Eiswürfeln, mal als alkoholhaltigen Longdrink, mal als Erfrischungsgetränk mit Zitronenscheibchen.
  • Cold Drip
    Das Verfahren lässt Erinnerungen an den TV-Spot „Dröpje voor Dröpje Qualität“ aufkommen, mit dem 1973 B&B für seine Kondensmilch warb. Tröpfchen für Tröpfchen, das beschreibt auch das Prinzip der Dripper sehr gut, mit denen Cold Drip Coffee zubereitet wird. Wie in Goethes Zauberlehrling wallt das Wasser „manche Strecke, dass zum Zwecke Wasser fließe“ – aber nicht im reichen, hellen Schwalle, sondern in homöopathischen Dosen. Cold Drip ist Kaffeeliebhaberei, denn die Gerätschaften können über 700 Euro kosten, wie z. B. der handgefertigte Coffeega Alley 600 Cold Drip Coffeemaker. Deutlich günstiger ist mit knapp 200 Euro der Cold Water Dripper von Hario. Dass bei solch edlen Apparaturen keinesfalls an der Bohnenqualität gespart werden sollte, dürfte klar sein. Cold Drip ist somit ein in jeder Hinsicht kostbares Elixier.

Und wie schmeckt’s?

Cold Brew und Cold Drip schmecken anders als jeder „normale“ Kaffee oder Espresso. Bitterstoffe und Säure fehlen nahezu komplett, dafür bietet der kalte Kaffee eine außergewöhnliche Aromenfülle, die selbst Kenner überrascht. Das Spektrum der Nuancen reicht von Beeren- und Zitrusfrüchten bis zu Nüssen und Schokolade. Besonders intensiv und süß ist die Vielfalt im Cold-Brew- und Cold-Drip-Konzentrat zu schmecken. Es lohnt sich darum, diese auch einmal pur zu „verkosten“ und nicht nur als Drinks. Kalt gebraute Konzentrate finden auch in der feinen Küche Verwendung, als i-Tüpfelchen beim Abschmecken von Saucen und Desserts.

Schreibe einen Kommentar

Cookies helfen bei der Optimierung unserer Angebote. Durch die Nutzung dieser Website stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen", um Ihnen das beste Surferlebnis möglich zu geben. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen zu verwenden fortzufahren, oder klicken Sie auf "Akzeptieren" unten, dann erklären Sie sich mit diesen.

Schließen